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once upon a time in mexico

8. September 2006

wie ja der ein oder andere leser dieses blogs weis, habe ich die letzten beiden „teen-ages“ meines lebens in mexico verbracht. nun hat mich diese woche ein guter freund aus guanajuato zusammen mit seinem onkel in berlin besucht. wie das nunmal so ist, wenn man sich lange nicht gesehen hat… es wird viel getrunken, gefeiert, geredet und alte geschichten werden wieder aufgewärmt.

wahrscheinlich sollte ich mir einfach eingestehen, dass ich irgendwo tief in mir drin eine rampensau bin. mehr noch, manchmal bin ich eine ordinäre rampensau. und so war es mir nichtmal unangenehmt als vorgestern, beim gemütlichen beisammensein eine geschichte aufgewärmt wurde, die sich vor etwa einem jahr, im juli 2005 abgespielt hat.
Um zu verstehen muss man wissen, dass ich meine zeit in mexico nicht ausschließlich mit der ständigen zufuhr von kokain und alkohol verbracht habe. ich habe dort, und das war mein eigentlicher lebensmittelpunkt, mit meinem freund uriel emanuel rodriguez luna (wieso alle mexikaner 2 vor und 2 nachnamen haben erkläre ich an anderer stelle), eine bar und eine low-budget unterkunft betrieben. Im Juni 2005 kündigte sich in unserem städtchen langsam das alljährlich internationale kurzfilmfestival mit dem namen „expresion en corto“ (expresion in kurz) an. ein weiterer bekannter von mir, ein filmemacher aus Buenos Aires, sein name war (und ist) ramiro rodriguez, hatte sich mit diversen (sehr guten) kurzfilmen ebenfalls um eine teilnahme beworben, wurde aber von den organisatoren abgelehnt. bestimmt auch aus diesem Grund war er angepisst. Naja, dann kam noch dazu, dass das hauptthema des festivals im Jahr 2005 „Zensur“ war, was sich als farce entpuppte weil zwar einige wenige „ehemals“ verbotene filme aus bolivien gezeigt werden sollten, die veranstalter jedoch keinen einzigen der über tausend ehemals bzw immernoch „zensierten“ filme aus der schwarzen liste der p.r.i. regierung zeigen wollte, die mexico bis vor kurzem für 71 jahre regiert hatte.

Ja, wir waren „not amused“. Als das festival näher rückte bekahmen wir kontakt zu immer mehr personen, studenten, filmemachern etc. die alle ebenfalls richtig sauer waren. So schaukelte sich langsam etwas hoch was zusehens außer kontrolle geriet. Irgendwo, irgendwie, unter irgendwelchem einfluss wurde dann besprochen ein „gegenfestival“ zur kommerziellen und heuchlerischen großveranstaltung in der bar, der herberge und einer befreundeten gallerie zu machen. Der plan war, eine „projektwoche“ mit allen gästen der herberge und anderen leuten die lust darauf hatten zu veranstalten. Ramiro besorgte über irgendwelche freunde 12 dv-camcorder, wir installierten schnittsoftware etc auf den computern in der herberge und bereiteten alles vor. Wir fuhren in alle städte des bundesstaates und sogar nach mexico city um plakate für das event zu kleben. Wir nannten unser festival in anlehnung an das original „excursión al horno“ (ausflug in den ofen). „Festival alternativo de filmar“ (alternatives filmer festival).

Tja, spass hat es gemacht. Wir gaben den teilnehmern (ca 30) jeden tag ein anderes thema über das sie einen kurzfilm drehen sollten. Mal ging es darum einen kurzfilm (unter 3 minuten) innerhalb einer bestimmten öffentlichen toilette zu drehen. Mal gaben wir uns als studenten aus und machten termine mit den organisatoren des „original festivals“, schickten unsere leute hin, ließen sie verarschungsfragen stellen und schnitten die bänder dann zu wirklich peinlichen kurzinterviews zusammen. mal teilten wir digitalkameras aus und forderten alle dazu auf uns den hübschesten popo der stadt zu bringen.
Am vorletzten tag vor unseres großen öffentlichen screenings auf dem dach der bar und gut sichtbar von der haupt-fußgängerzone sichtete ich mit ramiro alle entstandenen produktionen. Und ja, es waren neben viel schrott (der natürlich auch gezeigt wurde) auch einige wirklich gute streifen entstanden. Aber wir ärgerten uns, dass wir beide neben all den organisatorischen aufgaben keinen eigenen film zustande gebracht hatten. Also überlegten wir uns kurz was mir machen sollten. Ja wir wollten provozieren. Irgendwann, ich muss angetrunken gewesen sein (und das sag ich nicht als ausrede), sagte ramiro er hätte eine idee.

Wir benutzten zur durchführung eine der toiletten der herberge. Dort wurde ein ghettoblaster in die ecke gestellt und eine kamera exakt so montiert, das sie von der auf dem klo sitzenden person den bereich ab der mitte des bauches aufwärts aufnahm, nicht aber den bereich der genitalien. Eine cd wurde eingelegt, sie sollte der soundtrack des films sein, ferner schrieben wir auf die weißen kacheln hinter der toilette mit einem edding „un film de ramiro rodriguez“ und darunter „realizado por ramiro rodriguez y stefan XXXXXX“ (ich will meinen nachnamen hier nich breit treten, letzteres bin aber ich). Dann stellten wir die Kamera auf aufnahme, machten das licht aus, es war dunkel und wir verließen den raum, ich allerdings nur um ihn eine minute später wieder zu betreten. Ich kam herein, schaltete das Licht ein, drückte unauffällig beim cd-spieler auf „play“ und setzte mich auf die toilette. Hier machte ich aber ein ganz anderes „geschäft“ als der geneigte zuschauer wohl erwartet hätte. Ja, der einzige inhalt des films war meine gestig während des ornanierens. Nun zum Soundtrack. Um das ganze endgültig ad absurdum zu führen hatten wir als begleitendes lied „Guacamole“ von „Kevin Johansen“ gewählt. (Guacamole ist ein mexikanischer snack der aus Avocadocreme mit verschiedenen kräutern und chilli besteht… lecker)

Sittin’ on a bencho, waitin’ for the teco guacamole (auf einer bank sitzend, auf meine guacamole wartend)
Carne con frijole’, carne con frijole… (fleisch mit bohnen, fleisch mit bohnen)
Waitin’ for the sun to shine, hopin’ for the chicken yakisoba (wartend das die sonne scheint, hoffend das es yakisoba huhn gibt)
Hope there’s some left over, hope there’s some left over… (und davon etwas übrig ist)
und so geht das lied weiter, den ganzen text gibt es hier.

Nun ist es garnicht so einfach im wissen dass man gefilmt wird sich innerhalb von genau 5 minuten und 12 sekunden zum orgasmus zu zwingen. Und schon garnicht bei solcher volxmusik. Aber ich schaffte es und war beim ausklingen des liedes tatsächlich so weit. Wow! Ich zog mir die hose hoch, stand auf, wusch mir die Finger und verließ das klo nicht ohne das licht auszuschalten.

Am nächsten Tag war das screening und wir verteilten überall in der stadt (die wegen des großen festivals ja eh total überfüllt war) flyer. Neben unseren filmen hatten wir auch angekündigt eine auslese der besten europäischen kurzfilme zu zeigen, unter anderem „Le batteur du boléro“ von „Patrice le cone“ und das meisterwerk „Gisèle Kérozène“ von „Jan Kounen“ (das ich wirklich nur jedem wärmstens empfehlen kann). Ob nun wirklich DIESE filme waren oder doch die ankündigung mit unseren eigenen filmen das „völkerrecht neu zu interpretieren“ ist mir nie wirklich klar geworden. Auf jeden fall zweifelte ich das erste mal an meinem eigenen „werk“ als am abend über 400 Menschen vor und in die bar gekommen waren um es zusehen.

Ich gebe zu als es gezeigt wurde und mich der ein oder andere unter den zuschauern wieder erkannte wurde ich etwas rot. Aber als danach die gesamte masse aplaudierte und schrie war ich von tiefem stolz erfüllt.

Ramiro ist jetzt in oaxaca und filmt dort eine arbeiterrevolte.
Ich bin in berlin und verschwende meine jugend.
Jan kounen hat den film blueberry gedreht, hier ein ausschnitt (peyote trip)

Achja, und das „popo voting“ gewann nach abstimmung aller zuschauer ein franzose, der den arsch einer „Action Man“ figur fotografiert hatte.

Ich weis nich wie das mit dem supercoolen mp3player im blog funktioniert. Das lied (Soundtrack zum Film) gibt es jetzt auf jeden Fall hier zum download. Damit man sich, sofern man denn möchte, eine genauere Vorstellung der ganzen „show“ machen kann.

3 Kommentare

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  1. hey stefan, wo kann ich mir dieses video ansehen?


  2. echtmal, wenn man schon sein ganzes leben sorglos in aller oeffentlichkeit breit tritt, muss der film aber auch gezeigt (und nicht nur besprochen) werden. ich warte auf den youtube-link!


  3. […] Dieser Kurzfilm ist keine ungewollte Dokumentation meines letzten LSD-Trips, sondern ein von mir bei jeder gelegenheit gelobtes Meisterwerk von Jan Kounen. Endlich kann man den Streifen auch Online angucken. […]


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